60 Jahre Schaufensterpuppen als stille Zeugen des Einzelhandels

| Text by: Euroshop

Tags: Retail Design| Mannequin| Euroshop

 

Ob im Schaufenster oder direkt im Verkaufsraum – Schaufensterpuppen sind die visuellen Botschafter jeder Marke. Mit aktuellen Modepieces, passenden Accessoires, kreativen Posen und individuellen Designs erzählen sie eine faszinierende Geschichte und spiegeln damit ein Stück Handels- und Gesellschaftsgeschichte wider.

 

Vom Einkaufserlebnis zum ästhetischen Statement

Vor 60 Jahren wirkten Puppen oft noch steif und uniform, heute hingegen transportieren sie bewusst Werte wie Diversität, Körperbewusstsein und Markenidentität. Diese Galerie zeigt eindrucksvoll:

  1. Design im Wandel – von kurvigen Puppen im Charleston-Stil der 1920er-Jahre bis hin zu schlanken, minimalistischen Formen der Moderne.
  2. Posen und Materialien – moderne Figuren wirken dank realistischer Proportionen, variabler Haltungen und neuer Materialien wie Silikon und Fiberglas nahezu lebendig.
  3. Spiegel der Gesellschaft – Puppen sind längst nicht mehr nur Werkzeuge der Modepräsentation, sondern zeigen, wie sich Schönheitsideale, Altersdarstellungen und Diversität verändern.

 

 
 
 
 

 

Warum sie heute so aussehen – und nicht anders

  • Inklusives Storytelling: Marken setzen auf realistische Charaktere – etwa Senior:innen oder Puppen mit unterschiedlichen Körperformen –, um verschiedene Zielgruppen anzusprechen.
  • Produktinszenierung: Posen, Accessoires und Styling erzählen kleine Geschichten; sie lassen Kleidung nicht nur sehen, sondern erleben und verleihen Schaufensterpuppen emotionale Wirkung.
  • Material- und Technologieentwicklung: Von Holz über Pappmaché, Porzellan und Fiberglas bis hin zu beweglichen Gelenken – modernste Materialien ermöglichen flexible, lebensechte Präsentationen.
  • Nachhaltigkeit und Recycling: Recycelbare Schaufensterpuppen, innovative Materialien und neue Produktionsmethoden machen Nachhaltigkeit im Visual Merchandising sichtbar. Hersteller setzen auf Rohstoffe wie Kokos, Hanf, Flachs, Bambus, Alttextilien, Holzfasern und Bioharz. Andere nutzen Industrieabfälle – etwa aus der Luftfahrt – für den 3D-Druck. Farben entstehen aus Kaffeepulver, Brauereirückständen oder Austernschalen. So werden Schaufensterpuppen zu echten Materialwundern mit grünem Gewissen.

 

 

 
 
 
 

 

Wissenswertes

  • Menschähnliche Figuren wurden bereits um 1300 v. Chr. verwendet, etwa im Alten Ägypten. Sie reichten von Miniaturformaten bis zu überlebensgroßen Darstellungen. Wo und wann genau die erste Schaufensterpuppe entstand, ist jedoch nicht eindeutig belegt.
  • Der Begriff „Mannequin“ stammt vom flämischen Wort manneken – „kleiner Mann“. In Frankreich wurde er zur Bezeichnung für Modelle oder Schneiderpuppen, die den menschlichen Körper darstellen.
  • Die Herstellung von Schaufensterpuppen war früher äußerst aufwendig: Die fragilen Figuren besaßen echtes Haar und Augenbrauen („eingesetztes Haar“), Glasaugen und Porzellanzähne, um den Menschen möglichst realistisch abzubilden.