Mitten im Herzen von Cluj-Napoca befindet sich das Laboratorium im Erdgeschoss des Palatul Széki – einem von vier Eckgebäuden, die Ende des 19. Jahrhunderts als markanter Eingang zur Innenstadt errichtet wurden und einst die traditionsreiche Matia-Corvin-Apotheke beherbergten.
Das Gebäude wurde 1893 von Pecz Samu entworfen, dem Architekten der Budapester Großen Markthalle und zahlreicher eklektischer Bibliotheksbauten mit gotischen Einflüssen. Bauherr war Miklós Széki – Apotheker, Hochschullehrer und Unternehmer, der die Wohnung direkt über seiner Apotheke bewohnte. Beide Ebenen waren über eine private Wendeltreppe aus Metall miteinander verbunden.
Die massiven Holzeinbauten mit ihren gotischen Bögen, Fialen und Buntglaseinsätzen entstanden zur selben Zeit in der Werkstatt des Clujer Kunsttischlers B. Bak Lajos. Im Zuge der Umgestaltung blieben sämtliche Originalmöbel erhalten und wurden sorgfältig restauriert. Auch die dekorativen Wandmalereien konnten anhand der ursprünglichen Farbschichten freigelegt und rekonstruiert werden. Die Restaurierungsarbeiten wurden von EktraArhitectura koordiniert.
Die zentrale Herausforderung des Projekts bestand darin, ein zeitgemäßes Nutzungskonzept in einen Raum mit hoher historischer und materieller Bedeutung zu integrieren, ohne dabei den Bestand oder die neuen Elemente in den Hintergrund zu drängen. Deshalb wurde die Restaurierung selbst als eigentlicher Entwurfsprozess verstanden als Grundlage, auf der alle neuen Eingriffe aufbauen.
Die Innenarchitektur von Fain Design Studio setzt bewusst auf Kontraste statt auf historische Nachahmung. Zwei Kaffeebars im Hauptraum wurden als skulpturale Arbeitsflächen aus gebürstetem Edelstahl mit geschwungenen Formen gestaltet, deren Oberflächen das Licht der spitzbogigen Fenster reflektieren. Metallelemente, moderne Leuchten und modulare Sitzmöbel fügen sich harmonisch in das historische Ambiente ein, ohne mit den kunstvoll geschnitzten Holzeinbauten zu konkurrieren. Schränke mit gotischen Türen, Schubladen mit Beschriftungen historischer Heilpflanzen, Säulen sowie die Buntglasfenster wurden vor Ort restauriert und erhalten.
Der zweite Gastraum befindet sich im ehemaligen Labor der Apotheke und bewahrt seine hohen Oberlichter sowie das beeindruckende Gewölbe. Eine rekonstruierte Farbfassung stellt die ursprüngliche Farbigkeit des Gewölbes wieder her, während opalrote Leuchten einen spannungsvollen gestalterischen Kontrast zu den historischen Wandmalereien setzen.
Entstanden ist ein Raum, der seine Geschichte weder konserviert noch überdeckt. Stattdessen verbindet das Projekt historische Substanz und zeitgenössisches Design durch präzise Materialentscheidungen und eine bewusst zurückhaltende Gestaltung zu einem stimmigen Ganzen, das sich selbstverständlich in das heutige Stadtbild einfügt.